childhood & philosophy

a journal of the international council of philosophical inquiry with children

 

 

vorwort der herausgeber

 

bereits im 5. jahrhundert vor christus, als sokrates im schoß des griechischen stadtstaates eine neue wissenschaft gründete, wurde der grundstein für das journal childhood & philosophie gelegt. die konzeption dazu findet sich jedoch erst viel später wieder, nämlich in dem historisch bedeutsamen aufeinandertreffen von kindheit, erziehung und philosophie. zwei ereignisse waren hierfür wegweisend: erstens die bahn brechenden aussagen von rousseau in seinem buchemile“, die wie ein vorbote der nähernden revolution klangen, und zweitens die langsame entwicklung im 19. und 20. jahrhundert, in dem erwachsene tatsächlich fähig wurden, kinder nicht nur zu hören, sondern ihnen auch zuzuhören.

 

wir können die konfliktreiche situation, die aus der verbindung von philosophie als vater, erziehung und kindheit als mutter entstehen kann, vermeiden, in dem wir uns auf den antiödipus und auf die ontologie der differenz berufen, in der sich die möglichkeiten für väterliche und mütterliche arbeit vervielfältigen. natürlich kann auf der einen seite erziehung, verstanden als ein medium der verbreitung der modernen hilfsmittel, für die konstitution der subjektivität, wie sie foucault beschreibt, keine väterlichen rechte beanspruchen. die form von erziehung, die durch disziplinargewalt hervorgebracht wird, war schon immer ein feind von kindheit und philosophie. auf der anderen seite weisen einigeprofessionelleoderechtephilosophen typischerweise die möglichkeit zurück, dass kinder philosophieren oder sonst irgendetwasernsthafttun können.

 

wir glauben daher, dass philosophieren mit kindern untrennbar mit der frage nach der kindheit verbunden ist. dies resultiert aus der unterschiedlichen beobachtung vieler erwachsenersowohl pädagogen als auch philosophen -, wonach sie die möglichkeit des philosophierens mit kindern entweder übersehen oder gänzlich verneinen. die frage, was philosophie ist, stellt sich also ebenfalls. infolgedessen reicht es nicht aus zu sagen, dass kinder nicht genauso philosophieren können wie erwachsene. philosophieren mit kindern erfordert eine neubestimmung von kindheit und philosophie.

 

beide aufgaben, die neubestimmung von kindheit und philosophie, stehen in einem engen zusammenhang und sind das zentrale anliegen von childhood & philosophie. die zahlreichen philosophen und pädagogen des international council for philosophical inquiry with children (icpic) leisteten hier bereits wichtige arbeit, worüber die homepage des icpic www.icpic.org informiert. childhood & philosophie ist ein weiteres sprachrohr dieser bemühungen. in übereinstimmung mit dem multilingualen ansatz des icpic haben wir uns dazu entschlossen, beiträge in sieben sprachen zu veröffentlichen. wir sind uns bewusst, dass dies nicht unbedingt der beste weg ist, das journal zu gestalteneine übersetzung aller beiträge ins englische würde sicherlich mehr leser pro artikel erreichenaber dieser entschluss wird zum einen getragen von unserer absicht, jeden ansatz in seiner muttersprache zu integrieren, und zum anderen von unserer hoffnung, ein zunehmendes interesse am philosophieren mit kindern in mehreren ländern und ihren sprachen zu initiieren. wir hoffen, dass sie ermutigt sind, manuskripte einzureichen, in englisch oder in ihrer muttersprache. aus diesem grund begrüßen wir neben forschungsberichten auch essays von philosophen und pädagogen, transkriptionen, praxisberichte, buchbesprechungen, berichte über laufende projekte, poesie und kunst. willkommen bei childhood & philosophie!

 

david kennedywalter o. kohan

upper montclair – rio de janeiro

janeiro de 2005